Wahrnehmung von BDSM und Dominanz in der Öffentlichkeit

Das Berufsbild einer Domina

Spätestens seit Erscheinen der Roman-Trilogie "Shades of Grey" und der daraus entstandenen Spielfilmreihe ist das Thema BDSM und Dominanz in der Sexualität auf breiter Ebene ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geraten. Der Beruf der Domina hat jedoch nach wie vor mit vielen Vorurteilen und falschen Vorstellungen zu kämpfen. Dominas bieten ihre Dienste in aller Regel gegen Entgelt an, sodass dieses Gewerbe durchaus der Prostitution zugerechnet werden kann, auch wenn es dabei nicht zwangsläufig zu sexuellen Handlungen kommen muss. Häufig wird die Inanspruchnahme der Dienstleistungen einer Domina mit dem Attribut "pervers" gleichgesetzt. Dies ist jedoch eine relative Definitionsfrage ("Wer oder was legt fest, was überhaupt pervers ist?"). In diesem Beitrag beschreiben wir das Berufsbild einer Domina näher und bieten Ihnen weiterführende Informationen.

Berufsbild Domina

Eine Domina wird von Menschen konsultiert, die sich erotischen Rollenspielen hingeben und dabei den unterwürfigen, devoten Part einnehmen möchten. Bei den Klienten handelt es sich meist um Männer, es gibt aber auch durchaus eine weibliche Klientel. Meist arbeiten Dominas in einem BDSM-Umfeld, d. h. während einer Session kommen Kleidungsstücke aus Lack und Leder sowie Werkzeuge wie Peitschen zum Einsatz. Letztere sollen dem Kunden jedoch nicht wirklich ernsthafte Schmerzen zufügen, sondern diese lediglich nur andeuten, um dem Kunden dadurch sexuelle Lust zu vermitteln. Hauptmerkmal ist der aktive Part der Domina, der sich nicht nur in körperlichen Handlungen, sondern auch durch die verbale Ausdrucksweise definiert. Die Kunden wünschen sich meist eine Form der Erniedrigung, die von Beschimpfungen oder auszuführenden Befehlen bis hin zum Hund-und-Herrin-Spiel reicht. Diese Form der Unterwerfung durch eine Frau wird auch als Femdom (female domination) bezeichnet.

Daraus ergibt sich, dass eine Domina nicht nur über schauspielerisches Talent, sondern auch über ein gewisses Maß an Empathie verfügen sollte, um optimal auf die Kundenwünsche eingehen zu können. Der Arbeitsplatz einer Domina kann sich in einem eigens dafür eingerichteten Domina-Studio befinden, aber auch spezielle BDSM-Räume in einem Bordell sind denkbar. Einige Dominas bieten ihre Dienste auch in eigens dafür eingerichteten Räumen zu Hause oder beim Kunden an. Wie bereits angedeutet, fällt der Domina-Beruf zwar in das Feld der Prostitution, intensive sexuelle Handlungen (insbesondere Geschlechtsverkehr) bilden jedoch eher die Ausnahme.

Berufliche Herkunft von Dominas

Man sollte auf keinen Fall dem Irrglauben verfallen, dass Dominas lediglich Prostituerte sind, die Ihre Dienstleistungen auf den BDSM-Bereich erweitert haben. Dominas kommen aus allen nur denkbaren Berufsfeldern und Altersklassen. So gibt es meist jüngere Dominas, die als Model gearbeitet haben und ihre dort entwickelten Skills im Domina-Bereich ausleben. Es gibt aber auch Damen, die tagsüber ihren seriösen und angesehenen Berufen nachgehen (Bankwesen, soziale Berufe usw.) und abends ihren Spaß an BDSM ausleben.

Einen Einblick in dieses Berufsfeld vermittelt uns eine junge Domina, die unter ihrem Künstlernamen Victoria auftritt. In einem YouTube-Video des Schweizer Fernsehens beschreibt sie, warum sie diesen Job macht und dass sie in ihrem "wahren Leben" keine Freude daran hat, Menschen zu quälen oder zu erniedrigen, als Domina jedoch viel Freude an BDSM-Spielen hat.

Victoria, Domina (29): "Weder ich noch 95 Prozent meiner Kunden leiden unter dem Krankheitsbild Sadomasochismus. Das sind halt unsere sexuellen Vorlieben, die wir ausleben. Das heißt nicht, dass wir psychisch gestört sind!"

Welche Art von Männern gehen zu einer Domina?

Die Klientel, die die Dienste von Dominas in Anspruch nehmen, kommt aus allen Alterklassen und sozialen Schichten. So gibt es durchaus junge, gutaussehende Studenten, die gelegentlich zu einer Domina gehen, weil sie nur dort ihre BDSM-Neigung ausleben können. Es ist natürlich immer eine finanzielle Frage, ob man sich eine Domina leisten kann. Dies hat zu dem Vorurteil geführt, dass nur gut betuchte Business-Typen in den Domina-Studios zu finden sind. Aber das stimmt schlichtweg so nicht. Die meisten Domina-Kunden wollen einfach nur ihre sexuellen Wünsche ausleben, die sie zu Hause bei ihren Partnern nicht erfüllt bekommen.

Victoria, Domina (29): "Wer weiß, wie viele Ehen ich schon gerettet habe..."

FAQ zum Thema Domina

FAQ zum Thema Domina

Im Folgenden haben wir einige Fragen zusammengestellt, die uns in Sachen Domina immer wieder gestellt werden:

Warum trägt eine Domina häufig Lack und Leder?

Latex, Gummi, Lack und Leder spielen bei Sessions mit einer Domina eine große Rolle, da hierbei häufig entsprechenden Fetischen der Kunden Rechnung getragen wird. Dies liegt aber durchaus nicht nur an den optischen Reizen der jeweiligen Kleidungsstücke: Wie Domina-Liebhaber und BDSM-Anhänger immer wieder bestätigen, fühlen sich diese Stoffe auf der nackten Haut einfach nur gut an.

Was ist eine KV-Domina?

KV steht in der BDSM-Szene für Kaviar. Dies ist wiederum eine geschmackvoll verschlüsselte Umschreibung für - Kotspiele! Auch diese Spielart in den Sessions mit einer Domina ist sehr vielfältig ausgestaltet: angefangen vom reinen Zusehen des Kunden, während seine Herrin sich vor seinen Augen erleichtert über das ausgiebige Spiel mit den Exkrementen bis hin zur oralen Aufnahme des Kotes auf Befehl der Herrin. Häufig ist diese Form des BDSM mit Spielen mit Natursekt (Urin) verbunden. KV-Spiele wird von beiden Seiten als etwas sehr Intimes empfunden, als eine Art der totalen Hingabe.

Welche Fetische sind bei Domina-Kunden besonders beliebt?

Häufig anzutreffen bei Domina-Klienten ist der Wunsch nach dem Ablecken der Schuhe der Herrin. Dies ist auch ein Grund dafür, dass Dominas während ihrer Sessions oft High Heels tragen. Gelegentlich sind auch Uniform-Fetischisten anzutreffen, die von ihrer Herrin in militärischer Form erniedrigt, gedemütigt oder gemaßregelt werden wollen. Gängige Fetische im Domina-Bereich setzen auf Leder, Gummi und Latex oder auch PVC-beschichtete Stoffe, die in der Szene als "Lack" bezeichnet werden.

Es gibt aber auch Fetische nach Körperteilen wie z. B. Füße, Beine, Haare, Brüste, Gesäßbacken, Ohren oder Achselhöhlen. Die dazugehörigen Praktiken werden auch als "Body worship" bezeichnet.

Wie finde ich eine Domina?

Auf den gängigen Sündenmeilen in größeren Städten finden Domina-Liebhaber und -Neugierige schnell, was sie suchen. Ansonsten wird man auch in den Kleinanzeigen der Wochenendausgaben der Tageszeitungen fündig. Wer sich über seine Neigungen noch nicht ganz im Klaren ist, kann es zunächst einmal mit Telefonsex mit einer Domina versuchen. Die bekannten Sexhotline-Anbieter haben entsprechende Kategorien (und Domina-Damen) in ihrem Programm.

Ich möchte gerne als Domina arbeiten. Gibt es Literaturtipps und Erfahrungsberichte?

Wir haben Ihnen in der Infobox einige Buchtipps zusammengestellt, deren Autorinnen meist selbst als Domina tätig waren oder sind und Tipps, Wissen und Erfahrungen weitergeben:

Die Lust auf weibliche Dominanz

Claudia Varrin: Die Lust auf weibliche Dominanz.
Ein Leitfaden in die verschiedenen Stile der weiblichen Dominanz - von der Diva über häusliche Disziplinierung bis hin zur Kerkermeisterin.


Lebensachterbahn einer Domina

Daemona de Lucca: Lebensachterbahn einer Domina.
Ein Erfahrungsbericht einer erfahrenen Domina. Die Autorin berichtet aus ihrem Leben, über skurrile Typen sowie von ungewöhnlichen Leidenschaften und von ausgefallenen Obsessionen.


Domina Lady Sas erzieht dich intensiv

Lady Sas: Sklaventraining - Domina Lady Sas erzieht dich intensiv.
Dieses Buch ist zwar in erster Linie an die Männer gerichtet, dient aber auch gut für die Ideensammlung einer Domina für ihre nächste BDSM-Session.

Ich (w) arbeite tagsüber im öffentlichen Dienst. Soll ich es trotzdem wagen, nebenbei als Domina zu arbeiten?

Ganz ehrlich? Wir würden Ihnen davon abraten. Uns ist ein Fall bekannt, bei der sich eine Beamtin in ihrer Freizeit im Internet als Domina anbot - in Lack und Leder und Werbeslogans wie "Tauche ein ins Reich erotischer Dominanz". Ihr Dienstherr fand das gar nicht lustig und hat ihr daraufhin arbeitsrechtliche Disziplinarmaßnahmen auferlegt, wogegen die Dame vor dem Verwaltungsgericht geklagt hatte. Dies entschied für die Frau, weil sich herausgestellt hatte, dass sie für die Domina-Webseite lediglich als Model posiert hatte, jedoch nicht aktiv als Domina tätig war. Aber Sie sehen: Als Beamtin (womöglich noch als Lehrerin) sollten sie von einer Tätigkeit als Domina absehen.